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Recep Tayyip Erdoğan am 03.07.2017 in Istanbul.

Türkische Cola im Palast des Diktators. Man merkt schon, dass das Interview erwünscht ist, eine Geste. Also wird man höflich und auch großzügig behandelt, der Fahrer des Palastes holt uns vom Hotel ab und jagt mit doppelt überhöhter Geschwindigkeit und Blaulicht durch den Istanbuler Verkehr, der Ausblick auf den Bosporus ist beeindruckend.

Der Hubschrauber des Präsidenten landet dröhnend, er erscheint mit einem maskenhaften, fast ferngesteuert wirkenden Pathos. Französisch soll man mit ihm reden, nicht englisch. Das ganze, liebliche, mediterrane Setting steht in einem schreienden Widerspruch zu der brutalen Kälte, die Erdogan im Interview an den Tag legt. Seine Gesten sind theatralisch, sollen überlegen und hart wirken.

Auf dem Weg zur ausgehandelten Portraitlocation gefällt mir das Licht in einer Tür zum Garten und bremse ihn für einige Sekunden aus, in dem ich mich vor im aufbaue. Es erscheint ein warmes, väterliches Lächeln auf seinem Gesicht. Die Kälte und Bösartigkeit aus dem Interview verschwindet hinter der Fassade des beliebten, freundlichen Führers. Ich friere immer noch.

Im Flugzeug zurück denke ich: Wie gut, dass ich wieder in der Luft bin. Und wie schrecklich, dass Deniz Yücel ein Gefangener dieses Apparats ist. Giovanni di Lorenzo hat Erdogan dafür in jeder möglichen Form zur Rede gestellt.

http://www.zeit.de/2017/28/recep-tayyip-erdogan-g20-gipfel-interview



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